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Das Ministerium für Staatssicherheit war nicht der erste Geheimdienst der DDR. Bereits vor der Gründung des Ministeriums am 8. Februar 1950 gab es zwei Vorläufer.

Zum einen installierten die sowjetischen Ministerien für Inneres und für Staatssicherheit (NKWD/NKGB bzw. MWD/MGB) unter Lawrentij Berija eine Reihe von selbständigen, umfangreichen Apparaten in der SBZ, die unter der Leitung des Generalobersten Iwan A. Serow, ab 1946 Nikolai K. Kowaltschuk, standen.

Zum anderen wurde im August 1946 die Deutsche Verwaltung des Inneren (DVdI) gegründet, welche die politische Polizei unter der Bezeichnung K5 vereinheitlichte. Sehr früh wurde die K5 schon damit betraut, geheimdienstliche Operationen und Aufgaben durchzuführen, sowie zu betreuen. Anfangs hatte die K5 einen Personalbestand von rund 160 (1946) und später einen Bestand von fast 700 (April 1948) Mitarbeitern.

Den Startschuss für den Aufbau einer eigenständigen Geheimpolizei gab das Politbüro der KPdSU am 28. Dezember 1948 mit dem Beschluss zur Bildung der "Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft". Mit diesem Beschluss konnten sich Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck sowie Otto Grotewohl gegen die Befürchtungen des sowjetischen Ministers für Staatssicherheit, Victor S. Abakumow, durchsetzen, der Sorgen hatte wegen der Wirkung dieses Beschlusses auf die Westalliierten.

Am 24. Januar 1950 fasste das Politbüro der SED den Beschluss zur Bildung des MfS. Schon zwei Tage später empfahl die Regierung der DDR parallel zum eigenen "Beschluss über die Abwehr von Sabotage" ebenfalls die Bildung des MfS. Am 8. Februar 1950 beschloß die Volkskammer der DDR einstimmig die Bildung des MfS. Als Leiter wurde 8 Tage später Wilhelm Zaisser eingesetzt. Erich Mielke war sein Stellvertreter im Range eines Staatssekretärs.

Nachdem es bei der Verhinderung des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 "versagt" hatte, wurde das Ministerium im Juli 1953 zum „Staatssekretariat für Staatssicherheit (SfS)“ umgeformt und dem Innenministerium unterstellt (erst am 24. November 1955 erhielt es wieder Ministeriumsrang). Leiter des SfS bzw. Minister des MfS war Ernst Wollweber, den Walter Ulbricht 1957 durch Erich Mielke, den bisherigen Stellvertreter ersetzte. Mielke leitete das MfS bis zum 7. November 1989, dem Tag des Rücktritts des Ministerrates der DDR zur Wende.

Am 17. November 1989 wählte die Volkskammer der DDR einen neuen Ministerrat. Das MfS wird in Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) umbenannt, dessen Leiter wird der bisherige Stellvertreter von Erich Mielke, Wolfgang Schwanitz. Am Morgen des 4. Dezember 1989 wird die Bezirksstelle des MfS in Erfurt von Bürgern besetzt, nachdem bekannt wurde, dass die Stasi Akten vernichtet werden sollten. Am Abend desselben Tages werden die Dienststellen in Leipzig und Rostock besetzt, die anderen Bezirksstädte folgen, zuletzt am 15. Januar 1990 die Zentrale in Berlin. Bei den Besetzungen kam es teilweise zu chaotischen Zuständen. Mit der Einrichtung von Bürgerwachen und Bürgerkomitees beginnt die erzwungene Auflösung und Aufarbeitung des MfS. Erstmals in der Geschichte können Bürger ihre geheim über sie angelegten Akten einsehen und zwar zuerst bei der sogenannten Gauck-Behörde, die später einen neuen Namen bekam, nämlich Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Birthler-Behörde). Keinen Monat später, am 14. Dezember 89, beschließt der Ministerrat die Auflösung des "neuen" AfNS und den Aufbau eines Verfassungsschutzes und eines Nachrichtendienstes (in offensichtlicher Anlehnung an die Geheimdienststrukturen in der BRD). Zum Aufbau des Verfassungsschutzes kommt es jedoch wegen Bürgerprotesten und nach Beschluss des Ministerrates vom 13. Januar 1990 nicht.

Später billigt der Runde Tisch die Selbstauflösung der Auslandsaufklärung des MfS (Hauptverwaltung Aufklärung, kurz HV A), dessen Leiter von 1955 - 1986 Markus Wolf, ein Stellvertreter Erich Mielkes, war. Trotz der folgenden Vernichtung fast aller Akten und Datenträger der HV A gelangten 1990 deren Mob-(Mobilmachungs-) Karteien unter ungeklärten Umständen in die Hände der CIA. Sie wurden später unter dem Namen Rosenholz-Akten bekannt.

Rechtliche Grundlage für die Tätigkeit des MfS bildete das „Gesetz über die Bildung eines Ministeriums für Staatssicherheit“, die Statuten des SfS/MfS von 1953 bzw. 1969 (die strengster Geheimhaltung unterlagen und in denen die geheimdienstlichen Befugnisse von der Regierung oder dem Nationalen Verteidigungsrat sanktioniert wurden) sowie die Strafprozessordnung und das Volkspolizei-Gesetz von 1968, dessen Paragraph 20 die Angehörigen des MfS mit polizeilichen Befugnissen ausstattete. Allerdings bewegte sich der Geheimdienst auch außerhalb dieser rechtlichen Grundlagen und verstieß bei seiner Arbeit auch gegen Verfassungsgarantien der eigenen DDR-Verfassung.

Durch formalen Beschluss des SED-Politbüros vom 23. September 1953 wurden dem DDR-Geheimdienst folgende Aufgaben zugeteilt:


* Aufklärungsarbeit in Westdeutschland und Westberlin mit dem
Ziel, dass Mitarbeiter des MfS in allen wichtigen Institutionen der
Westalliierten anzutreffen sind (Bonner Regierung, Industrie,
Forschung)
* aktive Spionageabwehr durch das Eindringen von
MfS-Informanten in alle wichtige Bereiche des öffentlichen
westlichen Lebens
* Durchführung von Agenturarbeit z.B.: Kontrolle von
Massenorganisationen, gezielte Zersetzung und Spaltung von
Kirche und deren Jugendgruppen, Intellektuellenkreisen und
Dissidenten.
* Kontrollieren der eigenen DDR-Bürger unter Missachtung ihrer
Bürgerrechte. Wurde im Jargon auch als "Aufdeckung und
Beseitigung feindlicher Zersetzungstätigkeiten" genannt. Dies
erfolgte u.a. durch Bespitzeln von Opposition und Dissidenten,
Aufrechterhaltung der Zensur, Unterdrückung der
Meinungsfreiheit.
* Gewährleistung des absoluten Schutzes von verantwortlichen Parteifunktionären
* Gewährleistung der genauen Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsorganen und Polizei

Umfang des MfS

Es wird geschätzt, dass 1989 etwa 91.000 Menschen hauptamtlich für das MfS arbeiteten. Da sich das MfS als „Schild und Schwert der Partei“ verstand, war der Großteil seiner Mitarbeiter zugleich Mitglied in der SED. Das MfS war zwar formal dem Ministerrat der DDR unterstellt, führte jedoch, wie jeder Geheimdienst, ein internes Eigenleben. Hinzu kamen weit mehr als 100.000 so genannte „Inoffizielle Mitarbeiter“ (IM), von denen viele als Spitzel und im Ausland als Saboteure, Zersetzer und Spione (offizieller Sprachgebrauch: Kundschafter des Friedens) agierten.

Die oben genannten Zahlen zeigen, dass bezogen auf die Gesamtzahl der OM und IM z.B. 200.000 und der Gesamtzahl der Bürger der BRD (80 Mil.) jeder 400. für das MfS gearbeitet hat. Unter Ausschluss der Kinder und Alten (18-80 Jahre) müsste vermutlich jeder 200. bis 300. Bürger in Gesamtdeutschland für das MfS gearbeitet haben. Geht man vom Hauptschwerpunkt der Mitarbeiter in der DDR (16 Millionen Einwohner) aus, und davon, dass zwei Drittel (140.000) der Mitarbeiter dort tätig waren, war vermutlich etwa jeder 50. Mensch zwischen 18 und 80 Jahren für das MfS tätig. Viele der IM waren hauptamtlich Polizisten, Staatsbeamte und Armeeoffiziere, aber auch Privatpersonen wie Kollegen, Mitarbeiter, selbst Familienangehörige.

Zum Zeitpunkt des Zusammenbruches der DDR gab es in der Bundesrepublik rund 1.500 aktive MfS-Spione, vorwiegend in Westdeutschland, wie die veröffentlichte Auswertung der so genannten Rosenholz-Dateien im März 2004 ergab. Die Anzahl der IM, welche für die Hauptverwaltung Aufklärung in der DDR selbst tätig waren, wurde dabei mit 20.000 beziffert.

Ein Eintrag als IM ist zunächst nur als Indiz für eine Geheimdiensttätigkeit zu werten: Es kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass reine Kontaktaufnahmen des MfS durch einen Aktenbeleg als IM dokumentiert sind. Alleine aus Vermerken und sonstigen Eintragungen auf Karteikarten lässt sich nicht immer zweifelsfrei feststellen, wie eng die Beziehung einer Person zum MfS war; sie liefern nur Indizien. Die Geschehnisse können oft nur anhand der vernetzten Akten umfassend nachvollzogen werden. Diese sind für manche IM noch erhalten, für andere IM vernichtet. Allerdings finden sich Querverweise in anderen Berichten, die ein Bild über die Tätigkeit eines IM geben können. Die obligatorische Verpflichtungserklärung (zur Zusammenarbeit mit dem MfS) ist in diesen Fällen oft nicht mehr aufzufinden, da eine erhebliche Anzahl an Akten vor dem Zusammenbruch der Behörde vernichtet wurde.
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