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Das letzte Opfer des Kalten Krieges?
verfaßt von TeamStasiopfer, E-Mail: , 10.08.2002, 23:17 Uhr  
Ein Grenzzwischenfall und ein Mord 36 Jahre danach

Zum 40. Mal jährt sich am kommenden Mittwoch ein Tag, der zur beklemmenden Realität der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze gehört: Am 14. August 1962 kam es bei Rasdorf (Kreis Fulda) an der Zonengrenze zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten des Bundesgrenzschutzes (BGS) und der Nationalen Volksarmee (NVA). Damals kam der junge NVA-Hauptmann Rudi Arnstadt ums Leben. Sein Tod sollte 36 Jahre später Auslöser für Gerüchte und Spekulationen im Fall eines mysteriösen Mordes an einem Taxifahrer werden.

RASDORF. Es ist der 14. August 1962: Zwischen dem hessischen Rasdorf-Setzelbach und Wiesenfeld in Thüringen bauen 200 DDR-Soldaten einen stabilen Grenzzaun. Plötzlich und ohne Vorwarnung - so heißt es später - schießt ein DDR-Offizier in Richtung Westen. Der BGS-Beamte Hans Plüschke, der sich zusammen mit einem Offizier auf Inspektionsgang befindet, schießt zurück und trifft seinen Angreifer Rudi Arnstadt oberhalb des rechten Auges tödlich.

Der 23-jährige Plüschke handelt in Notwehr und rettet sich und dem vorausgehenden Offizier so das Leben, heißt es im Westen. Die DDR sieht das anders: Rudi Arnstadt habe das Territorium der Deutschen Demokratischen Republik verteidigt - er wird zum Volkshelden stilisiert, Plüschke in Abwesenheit von der DDR-Justiz zu 25 Jahren Zuchthaus wegen Mordes verurteilt. Mehrere öffentliche Einrichtungen erhielten Arnstadts Namen.

Auf den Internetseiten der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) wird noch heute dem "Opfer" Arnstadt gedacht, "von einem betrunkenen BGS-Hauptmann feige und vorsätzlich erschossen", heißt es auf der Homepage eines Unbekannten, der an "gefallene Grenzer" erinnert. Acht Jahre nach dem Vorfall an der Zonengrenze scheidet Plüschke aus dem Dienst beim BGS aus und baut später ein Taxiunternehmen im osthessischen Hünfeld auf. Aus Angst vor einem Racheakt der DDR-Staatssicherheit für den Tod Arnstadts trägt der fünffache Vater Plüschke eine Waffe bei sich.

Seine Furcht steigert sich, als die Mauer fällt: "Ich hatte immer die meiste Angst davor, dass die meine Kinder entführen, um mich unter Druck zu setzen, damit ich mich stelle", sagt Plüschke 1997 in einem Fernseh-Interview zum 35. Jahrestag des Schusses auf Arnstadt. Es sei ein komisches Gefühl wenn man gesagt bekomme, man habe einen Menschen getötet. "Ich bin ein Opfer des Kalten Krieges geworden", meint der damals 58-Jährige.

Knapp ein Jahr später, am 15. März 1998, fällt gegen vier Uhr morgens auf der Bundesstraße 84 zwischen Hünfeld und Rasdorf ein Schuss. Ein Autofahrer findet Hans Plüschke ermordet auf der Straße liegend, 70 Meter von seinem Wagen entfernt. Der tödliche Schuss traf den 59-Jährigen über dem rechten Auge - wie bei Rudi Arnstadt. "Hingerichtet mit einem Schuss ins Gesicht", schrieb damals die Fuldaer Zeitung nach dem Mord. Von dem oder den Tätern keine Spur.

Fragen und Spekulationen in Osthessen. Die Geldtasche des Opfers Plüschke fehlt nicht. Es war also kein Raubmord. Oder wurde der Täter noch vor dem Raub von Zeugen gestört und konnte das Geld deshalb nicht mitnehmen? Handelt es sich doch um den späten Rachefeldzug der Stasi oder eines Angehörigen der Familie Arnstadt? Damals wie heute sieht die Polizei, trotz der Übereinstimmung der Todesart bei Arnstadt und Plüschke, keinen Zusammenhang zwischen dem Tod des 59-Jährigen und dem lange zurückliegenden todbringenden Schuss an der Grenze.

Gerüchte, nach denen Plüschke Morddrohungen erhalten haben soll, bestätigten sich nach Angaben des Leiters der Sonderkommission, Eduard Hampl, nicht. "Wenn es ein Rachefeldzug war, woher wusste dann der Täter, dass Plüschke sich in seinem Taxi um vier Uhr morgens an dieser Stelle der B 84 befand", fragt der inzwischen pensionierte Kriminalhauptkommissar.

Eine wichtige Spur war ein etwa 35-jähriger Mann, der in der Nacht am Tatort als Anhalter versucht haben soll, Autos zu stoppen. Es könnte ein wichtiger Zeuge oder auch ein Tatverdächtiger gewesen sein, sagt Hampl. Bis heute hat sich dieser mysteriöse Mann nicht gemeldet.

Zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung gaben keine Aufschlüsse. Ebenfalls keine Erkenntnisse brachte der Sohn von Rudi Arnstadt: Gegen Plüschke hege er keine Rachegelüste, soll er bei einer Vernehmung ausgesagt haben. Die Sonderkommission wurde im Sommer 1998 aufgelöst. Zum aktuellen Stand der Dinge sagte Polizeipressesprecher Martin Schäfer: "Die Akte ist geschlossen, bis es neue weiterbringende Erkenntnisse gibt."

Frankfurter Rundschau vom 09.08.2002, von Karoline Rübsam


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    Das letzte Opfer des Kalten Krieges?  - TeamStasiopfer, 10.08.2002, 23:17
 
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